Geschichte der FDP-Landtagsfraktion in NRW
1954-1958
Das Grabenwahlrecht und der Jungtürkenaufstand
Nach der Landtagswahl 1954, bei der die FDP 11,5 Prozent der Stimmen und 25 Mandate erzielt, tritt sie Ende Juli in die CDU-geführte Regierungskoalition unter Karl Arnold ein, obwohl es große Vorbehalte gegen diesen Schritt gibt. Friedrich Middelhauve wird daraufhin Wirtschaftsminister und Willi Weyer Wiederaufbauminister. Im Fraktionsvorsitz folgen in den Jahren 1954 bis 1956 die beiden Bielefelder Juristen Dr. Reinhard Beine und Dr. Hermann Kohlhase. 1956 kommt aus Bonn der Vorschlag, das „Grabenwahlrecht“ einzuführen, das die Existenz der FDP insgesamt gefährdet hätte. Aus Protest wechselt die FDP zur SPD. Der Koalitionswechsel wird unter dem Namen „Jungtürkenaufstand“ bekannt. Dabei geht es auch darum, die FDP als unabhängige dritte Kraft zu etablieren und Middelhauves Antisozialdemokratismus zu überwinden. Im Februar 1956 wird Ministerpräsident Arnold mit Hilfe eines konstruktiven Misstrauensvotums durch den Sozialdemokraten Fritz Steinhoff abgelöst. Der wiederum geht ein Bündnis mit der FDP ein und dankt ihr mit vier Ministerämter. Willi Weyer wird Finanzminister, Dr. Hermann Kohlhase Wirtschaftsminister, Dr. Josef Effertz Landwirtschaftsminister und Prof. Dr. Paul Luchtenberg Kultusminister.
Im Zentrum des Koalitionswechsels steht insbesondere ein kleiner Kreis jüngerer Abgeordneter um Wolfgang Döring. Döring zieht 1954 in den Landtag als Hauptgeschäftsführer der NRW-FDP ein. Nach dem Koalitionswechsel steigt er zum Fraktionsvorsitzenden (bis 1958) auf.
Der spätere FDP-Landesvorsitzende Burkhard Hirsch, nannte den Jungtürkenaufstand einmal eine "pure Selbstverständlichkeit". "Man musste sich gegen den Erpressungsversuch der Bundes-CDU wehren." Das ein neue Bundeswahlgesetz hätte, so Hirsch, die Existenz der FDP bedroht.
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